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Auf diesen Seiten veröffentlichen wir Reiseberichte von
unseren (Mit)-Paddlern.
Schickt uns einfach Eure Berichte, Erzählungen, Fotos, etc. egal in
welcher Form (Email, Papier, Fax) und wir bringen sie ins Internet.

Kanutour Schweden-Dalsland 2005
für Alexandra, Anne, Bedros, Carl, Carmen, Elisabeth,
Elke, Fritz, Iris, Jürgen, Lorenz, Lotti, Nora und Werner
Anreise
Wie beim gemütlichen Vortreffen in Merklingen im
Gasthaus zur Sonne besprochen, erfolgte die Anreise in Gruppen mit den
PKW’s von Lorenz, Fritz und Carl. Trotz der langen Anreise und Abholen
der Mitfahrer erreichten wir den Campingplatz in Hamburg - gleich beim
IKEA - pünktlich und fast zeitgleich.
Iris erwartete uns schon und begrüßte uns freundlich. Die Zelte waren
schnell aufgestellt - mit einigen Schwierigkeiten meinerseits und
Größenproblemen andererseits: Fritz wirkte ein wenig groß im Vergleich
zu seinem Zelt.
Kurz darauf wurde Salat zubereitet und die mitgebrachten Kochutensilien
das erste Mal genutzt - leckere Gnocchi mit Sahnesoße.
Gegen halb sechs bildeten wir zwei Gruppen - die eine wollte gut
asiatisch essen gehen, die andere das Musical "König der Löwen"
anschauen. Mit dem Auto ging es kreuz und quer durch Hamburg bis zum
Hafen.
Nach einem kleinen Fußmarsch entlang der Landebrücken und dem Übersetzen
mit der Fähre auf die Insel (Elisabeth schaute mit einem leichten Anflug
von Höhenangst äußerst skeptisch drein) mit der Halle konnten wir das
Musical genießen. Ein Feuerwerk für Augen und Ohren - man konnte gar
nicht alles wahrnehmen was auf der Bühne passierte. Wunderschöne und
aufwändige Kostüme zeigten die unterschiedlichsten Tiere und ihre
charakteristischen Verhaltensweisen. Ob Gazelle, Coyote, Schwein oder
Löwe - alles war sehr gut gelungen und die Kulissen verschmolzen nahtlos
mit den Bühnenaufbauten um Sonnenaufgang, Dschungel oder
Elefantenfriedhof darzustellen.
Die Lebensweisheit "Hakuna Matata" mit der eingänglichen Musik hat auch
mich dazu bewegt, über mein Leben nachzudenken.

2. Anreisetag
Nach einem gemeinsamen Frühstück und der Zubereitung von
Wegzehrung ging es weiter Richtung Schweden. Iris und Carmen gingen noch
einmal Einkaufen und waren auch mit dem Wohnwagen ein wenig langsamer
unterwegs als die 3 PKW’s. Auf die Fähre mussten wir ganz schön lange
warten - von Puttgarden nach Dänemark benötigte die Fähre etwa 45
Minuten. Bei einem Rundgang auf dem Oberdeck konnte man den Ausblick auf
die Ostsee genießen und die Flugkünste der Möwen bewundern, die ohne
einen Flügelschlag neben der Fähre durch die Luft glitten und ein
scharfes Auge auf eventuell Essbares hatten.
Nach etwa 2 Stunden hat man das flachlandige Dänemark durchquert und es
geht mit der nächsten Scandlines-Fähre nach Helsingborg in Schweden.
Danach ging es noch einige Stunden auf der Autobahn Richtung Göteborg
und weiter nach Uddevalla - unterwegs tat sich mehr und mehr die schöne
Landschaft in den Vordergrund, so wie nach und nach die Spuren der
Zivilisation weniger wurden.
Die letzen 2 Stunden ging es nur noch durch den Wald und schon bei einer
letzten Rast konnte man einen wunderschönen Waldsee bewundern.
Gegen 22Uhr30 erreichten wir Gustavsfors und nach Iris’ Beschreibung
landeten wir auch nicht bei Alcatraz sondern bei "Kanututhyrning", wo
unsere beiden per Flugzeug und Bus Angereisten, Lotti und Elke, bereits
auf uns warteten. Der Platz für die Zelte war schnell mit den
Kanuvermietern geklärt und diesmal waren die Zelte schon viel schneller
aufgebaut. Iris erreichte uns eine Stunde später, währenddessen wir uns
schon mal alle miteinander bekannt gemacht hatten und die nähere
Umgebung inspiziert hatten. Des nachts hörten wir das Gurgeln der
Schleuse und gegen morgen begrüßten uns die Enten, die zwischen unseren
Zelten herumliefen, mit ihrem Geschnatter.

1. Tag
Nach einem üppigen Frühstück und dem ersten Einbooten
kam gleich das erste mal eine Schleuse - einige Meter abwärts in den
Lelang.
Wir waren noch nicht richtig unterwegs, da wurden wir schon von leichten
Regenschauern begrüßt, später kam noch ein frischer Gegenwind hinzu.
Am ersten Campingplatz sind wir unerwarteter weise vorbei gepaddelt,
beinahe auch am Nächsten, der stellte sich aber ohnehin als aufgelöst
heraus, fast kamen wir uns vor wie Odysseus bei seinen Irrfahrten. Also
wieder weiter in die andere Richtung - der nächste Campingplatz war
total überfüllt, schon ziemlich entkräftet vom harten ersten Tag suchten
wir uns eine Bucht und einen wilden Campingplatz einige Meter weiter.
Dieser war so beengt, dass wir nur einige Zelte aufstellen konnten und
der Eine oder Andere in einem anderen Zelt Asyl für die Nacht fand. Den
Abend verbrachten wir im Gemeinschaftszelt bei schaurigen und schönen
Geschichten, die das Leben schrieb. Danach fielen wir in einen
erholsamen Schlaf, den so mancher dringend brauchte nach einer solchen
Anstrengung und einer Tagestour von ca. 18-19 Kilometern, wenn man die
Umwege mit einrechnet. Der Regen trommelt mal stärker mal schwächer auf
das Zelt und der Wind säuselt uns in den Schlaf - der Wald hallt von
sägenden Geräuschen...
2. Tag
Am Morgen hatte sich der Regen zum Glück verzogen und
wir konnten im Trockenen unsere Zelte abbauen, ein leichter Nieselregen
vertrieb uns dann doch ganz schnell von diesem beengtem Platz.
Einige Kilometer weiter erreichten wir die Schleusen von Lennartsfors -
3 hintereinander und ganz schön beeindruckend. Beim Hochschleusen sind
alle Tore bis auf das oberste geöffnet und man sieht die in den Fels
geschlagene künstliche Schlucht und wie von oben das hereingelassene
Wasser herunterstürzt und langsam die Schleuse füllt. Hier gelangen wir
in den Foxen. Beim Herausfahren stellte Bedros sich mit seinem Kajak
quer in die Fahrrinne, die kaum länger war als sein Boot und um ein Haar
wäre er von uns versenkt worden, am Ende des Schleusenkanals mussten wir
gegen eine leichte Strömung ankämpfen, wo der Fluss seinem natürlichen
Lauf folgt. Nachdem wir einige Landzungen umfahren hatten, erreichten
wir nach etwa 9 Kilometern den Campingplatz "12" auf der Insel
Fägelskyddsomäden. Da wir wieder einmal recht spät aus den Federn
gekommen sind, war dieser auch schon besetzt, zum Glück gab es auf der
anderen Seite der Insel noch einen viel schöneren Platz zum Zelten - auf
der "Insel mit 2 Bergen". Nun - genau genommen waren dies zwei
beeindruckende Ameisenhaufen mit deren Bewohnern wir uns arrangiert
haben. Solange man nicht auf einem ihrer Wege saß, die sie zu einer
Kiefer führten, deren süßes Harz sie begehrten.
Die Insel hatte viele schöne Buchten, war umsäumt von beeindruckenden
und glatt geschliffenen Felsen, die schräg ins Wasser abfielen und
ringsherum waren noch mehrere kleine Nachbarinseln, einige davon auch
schon von Kanuten erobert. Absolute Ruhe umfängt uns und das erste Mal
bemerken wir, dass wir fernab von jeglicher Zivilisation sind.

3. Tag (Ruhetag)
Am Morgen werden wir nach und nach von der Sonne
geweckt, die schon seit Stunden durch die Bäume hindurch auf unsere
Zelte blinzelt. Frühstück wann man möchte mit Kaffee, Tee, Brot oder
Müsli, Marmelade oder Nougatcreme - was das Herz begehrt.
Es gab 2 Interessengruppen - die eine wollte gern wandern bzw. laufen
gehen, die andere eher einen gemütlichen Ruhetag einlegen oder mit dem
Kanu einige der Nachbarinseln besuchen. Die Wandergruppe kämpfte sich
unter Führung unseres Pfadfinders Lorenz, nachdem sie von der Insel an
Land gepaddelt waren, über Stock und Stein durchs tiefste Gestrüpp
Richtung Ängelbaek und hatte dabei tatsächlich das Glück, einen Elch
aufzustöbern!
Ein Sandstrand an der Insel lud zum Baden ein - wovon nach der
anfänglichen Gewöhnung an das nicht zu kalte Wasser reichlich Gebrauch
gemacht wurde - Elke und Lotti waren jeden Morgen im See baden.
Am Abend gab es ein Lagerfeuer, für das Werner und Carl ordentlich Holz
spalteten und Kaffee oder Tee - wie immer - mit Seewasser zubereitet,
später vom mitgebrachten Wein oder Schnaps. Lorenz spielte auf der
Gitarre eine Selektion schöner Lieder und wir sangen die Texte gemeinsam
dazu - Iris mochte "The Rose" ganz besonders.
Die Berge umher hallten von unseren Liedern und Kanons - besonders
passend fand ich:
"Row, row row your boat,
gently down the sea...
merrily, merrily, merrily, merrily
- live is just a dream"
Leicht angepasst, mehrstimmig und mit Echo ein Muss für
Kanuten ;-)

4. Tag
Von der Insel aus ist es nicht weit nach Norwegen -
Anne, Elisabeth und ich wollen uns das unbedingt ansehen. Die Tour sind
hin und zurück gut 16 Kilometer, wobei wir ausgiebig Zeit haben, an
unserer Paddel- und Steuertechnik zu arbeiten. Die Grenze ist als
Schneise im Wald zu erkennen und eine norwegische Flagge an einem
Häuschen mit einem Mini-Leuchtturm zeigt uns den Weg. Auf einer winzigen
Insel einige hundert Meter weiter errichten wir eine Trollhütte aus
Steinen, wie in Norwegen üblich.
Die 8 Kilometer Rückweg schaffen wir in beachtlichen 1 3/4 Stunden
mittels des "norwegischen Kampfstiches" und meiner hoch motivierten
Mannschaft. Auf dem Rückweg begleitet uns "Erwin" - ein winziger
norwegischer Exil-Fisch, der am Strand der „Vollmondinsel“ ein sichtlich
behagliches neues zu Hause fand.
Nach einem kurzen Regenschauer zeigt sich ein doppelter Regenbogen über
dem See - sollen wir am Ende des Regenbogens nach einem Topf mit Gold
tauchen?
Eine Runde Botschia quer durch den Wald auf der Insel zwischen den
Zelten hindurch stellt neue Herausforderungen selbst an erfahrene
Spieler - die Kugeln prallen in unmöglichen Winkeln von Wurzeln und
Steinen ab... Die Sonne geht so weit nördlich sehr spät unter - so gegen
halb elf war erst Sonnenuntergang!
Da gerade Vollmond war, blieben wir bis spät in die Nacht auf bis er
sich über dem Wald zeigte. Einige fuhren mit dem Kanu in die Nacht
hinaus, andere genossen den Anblick vom Ufer aus.

5. Tag
Am nächsten Tag ging es nach einem gewohnt üppigen
Frühstück weiter durch den Flöte Fjorden Richtung Norden. Das Ziel war
der nördlichste Punkt unserer Reise. Nach circa 9 Kilometern mit
heftigem Gegenwind erreichten wir den Campingplatz "38".
Die Insel war recht hoch und mit meist steilen und felsigen Ufern,
unterbrochen von vielen kleinen sandigen Buchten, die zum Anlanden
geeignet waren und zum Baden einluden. Die Felsen am Ufer zeigten
Wasserstandsmarkierungen, die über einen Meter höher waren als der
aktuelle Wasserstand und am Ufer war eine Feuerstelle, die sogar noch
unter Wasser gelegen war - offensichtlich schwankt hier der
Wasserspiegel recht stark, obwohl dieser See auch mit dem Foxen
verbunden ist.
Um die Insel ging ein kleiner Pfad über Stock und Stein, steil bergauf
oder bergab, über Felsblöcke und durch das Dickicht, der mich zu einer
Inselumrundung und Fotosafari einlud. Um das Feuerholz von der
Schutzhütte zu unserem Platz auf der anderen Seite der Insel zu
befördern, machten wir es den Ameisen gleich - jeder trug einen Stamm
herüber. Ähnlich emsig waren wir immer alle beim Beladen und Entladen
der Kanus unterwegs. Die Zelte waren diesmal weit über die Insel
verteilt - ein jeder konnte sich ein Plätzchen mit Seeblick oder Blick
auf eine andere Insel aussuchen. Werner schlief wie immer direkt unter
freiem Himmel und auf einem Felsen nur wenige Zentimeter vom Ufer
entfernt.
Das Wasser des Sees ist hier von Gerbstoffen aus den Baumstämmen leicht
bräunlich gefärbt - dennoch wie überall sonst von gutem Geschmack,
sozusagen ein ganzer See voller Tee.

6. Tag
Am nächsten Tag führte uns die Tour wieder zurück nach
Süden Richtung Fellingsed und zu einer der anstrengenden Umtrageaktionen.
Die Kanadier mussten auf einen Wagen geschnallt zunächst einen steilen
Berg hinauf und dann noch 3 Kilometer weiter geschoben oder gezogen
werden. Dann ging es längs durch den Övre Blomsjön und noch einmal
mussten die Boote umgetragen werden. Diesmal war der Weg jedoch nicht so
schön glatt, sondern ging 300m über Wurzeln und Steine, einige Wägen
kippten um und ein Wagen blieb mit Achsbruch liegen. Anderen Kanuten
erging es hier nicht besser - aber hilfsbereit wie wir Kanuten
untereinander sind, haben wir die Boote in einer gemeinsamen Aktion mit
6 oder 8 Leuten kurzerhand die letzten Meter zum Wasser getragen. 4
Kilometer weiter erreichten wir das Ende unserer Tagesetappe von
insgesamt 12 Kilometern Paddeln und gut 3 Kilometern Laufen, eine kleine
Insel im Nedre Blomsjön gegenüber von "Haget" - ein "Ort" mit 2 typisch
schwedischen Häusern, die hier noch viel spärlicher als in den anderen
Seen das Ufer schmücken. Man merkt, dass man sich sehr weit von
jeglicher Zivilisation entfernt hat - dieser See ist ein Ort der
absoluten Ruhe und Abgeschiedenheit - hier gibt es keine Motorboote, die
gelegentlich auf den anderen Seen fuhren, sondern eigentlich nur Kanus,
Wald, Wasser und Felsen...und ein Paar Möwen, die auf einer winzigen
3-Meter-Felsinsel ihre zwei Jungen großzogen und ihr Nest gegen
Raubvögel lauthals verteidigten. Am Morgen glaubte man die Möwen fliegen
direkt über das eigene Zelt hinweg.
Ein wenig windig war unser Lagerplatz diesmal gelegen - es war
schwierig, ein Plätzchen um das abendliche Lagerfeuer zu finden ohne
gelegentlich vom Rauch eingehüllt zu werden. Die Insel war etwa 300
Meter lang und bot genügend Platz für alle Zelte und noch ein paar
andere Kanureisende. Alexandra, Werner, Iris und ich spielten eine Runde
Botchia entlang der Pfade bis es zu dunkel war, die Kugeln noch zu
erkennen.

7. Tag
Aufgrund der harten Etappe am Vortag und weil es uns
hier so gut gefiel, legten wir wieder einen Ruhetag ein - die eine
Gruppe ruderte nach Ingebyn, um dann zu Fuß weiter nach Trättlanda zu
gelangen, um dort ein wenig einzukaufen und nach einem Café Ausschau zu
halten.
Fritz, Carmen, Lorenz, Nora, Bedros und ich legten in einer Bucht
gegenüber der Insel an, kämpften uns durch den Uferbewuchs auf einen
Waldweg. Dabei verloren wir uns zunächst – Lorenz und Carmen waren
unauffindbar, da halfen auch keine Lauten Pfiffe und Rufe – der Wald
schluckte unsere beiderseitigen Kontaktversuche. Also wanderten wir –
etwas verzweifelt – weiter. Nach einem guten Kilometer entdeckten wir
die Beiden weit voraus! Danach wanderten wir die restlichen 2 Kilometer
durch unberührten wunderschönen Wald nach Björnvik. Ein Schild am Vortag
entdeckt wies uns den Weg zu einem Café, welches wir nach einem strammen
Fußmarsch erreichten. Begrüßt wurden wir von Magic, dem Haushund der
überaus freundlichen Besitzer. Der wunderschöne Retriever hatte es
Carmen besonders angetan und ließ sich auch nicht von anderen Hunden aus
seiner schwedischen ruhigen Art herausbringen - es scheint selbst die
Haustiere verhalten sich wie ihre Herrchen gelassen in Schweden. Während
wir die Speisekarte zweimal rauf und runter aßen, genossen wir die
schöne Aussicht und die Gastfreundschaft der Schwedin und ihres Mannes.
Sie sprachen auch sehr gut deutsch und wollten ausschließlich
Kanureisende als Gäste - weshalb sie ganz bewusst auf weitere Werbung
ausserhalb der Seeufer verzichteten.
Auf dem Rückweg zu den Kanus aßen wir noch Walderdbeeren und Blaubeeren
und es wurde ein Hirsch gesichtet.
Wie uns die Schwedin erzählte, war einige hundert Meter unterhalb
unserer Landestelle ein hoher Felsen auf dem 5000 Jahre alte
Felszeichnungen steinzeitlicher Jäger zu bewundern waren - sie hatten
das raue schwedische Klima überstanden und berichteten von Treibjagden,
wo wahrscheinlich im Winter die Elche über die Klippe getrieben wurden,
um den Menschen, die hier ihr sicher nicht einfaches Leben führten zu
ernähren. Die steilen Felsufer mit Überhängen aus Granit liessen das
Herz unseres Bergsteigers Jürgen höher schlagen - wäre sicher eine
interessante Herausforderung, mal vom Kanu aus eine Felswand zu
besteigen!
In den Buchten der Insel wachsen verschiedene teilweise blühende
Wasserpflanzen, die ich nicht identifizieren kann und einige kleine
Barsche und Rotfedern streifen umher.
Am Abend, während wir alle um das Lagerfeuer sitzen, macht es plötzlich
einen besonders lauten Platsch und einen schrägen Schrei - Lorenz ist
beim Versuch, auf einen Felsen zu springen, abgerutscht und flach ins
Wasser gefallen - komplett von oben bis unten bis auf die Haut
durchnässt.

8. Tag
Die nächste Etappe führte uns zunächst nach Blomma, wo
wir ein weiteres Mal die Kanus umtragen mussten. An einer flachen Stelle
liefen einige Kanus auf Grund - gar nicht so einfach zwischen dem Schilf
und den Felsen hindurch zu navigieren. Wegen des defekten Wagens mussten
ein paar den Weg zweimal laufen und gleich zwei andere Kanuten borgten
sich noch Wagen von uns - scherzhaft handelten wir die Dienstleistung
gegen Süßigkeiten. Das nächste Stück des Weges, für viele der Höhepunkt
der Reise, führte uns entlang eines Flüsschens kaum breit und tief genug
für unsere doch recht langen Kanadier. Seerosen, Teichrosen und viele
Unterwasserpflanzen säumten die vielen Kurven des traumhaft schönen
Flüsschens. Der Fluss mündete in eine mit Binsen, Teichrosen und einer
nicht identifizierbaren 3 blättrigen Wasserpflanze massenhaft
bewachsenen Bucht in den Lelang. Nach einem Kilometer kreuzten wir den
Kurs, den wir vor gut einer Woche genommen hatten und erreichten den
Campingplatz, an dem wir am ersten Tag versehentlich vorbeifuhren.
Dieser war schon belegt und es war eine gute Entscheidung, noch die 2
Kilometer weiter zur hufeisenförmigen Insel mit dem Campingplatz "67" zu
paddeln, insgesamt etwa 15 Kilometer - auch wenn der Wind und die
schätzungsweise bis zu 60cm hohen Wellen uns vom Kurs abzubringen
versuchten. Es ist wohl unvermeidlich, das gelegentlich eine Welle das
Paddel gegen die Bordwand drückt - in diesem Falle waren meine Finger
dazwischen und mir entwich spontan ein Wolfsgeheul, das über den See
wehte - mehr aus Spaß denn aus wirklichem Schmerz. Meine beiden
ausdauernden Ruderer Elisabeth und Anne brachte das so zum Lachen, das
wir aufhören mussten zu rudern und uns das Zwerchfell vor Lachkrämpfen
halten mussten. Das kostete uns die Pole- Position.
In der lang gestreckten Bucht der Insel liefen sich die Wellen tot und
die See glättete sich - Vorsicht beim Anlanden an den doch recht steilen
und unerwartet rutschigen Felsen am Ufer! Massig Platz zum Zelten und
ein wunderschöner Lagerplatz waren die Belohnung für diese Extraetappe.
Das Lager aufzuschlagen war nun schon zur Routine geworden und ging
überraschend schnell und ohne dass Kommandos nötig waren, von statten.
Die Insel ist sehr groß und die Zelte waren diesmal über 200 Meter durch
den Wald verteilt. Die Insel machte deutlich, dass wirklich nur ein
wenig Erde auf dem blanken Fels liegt, welcher anscheinend überall den
Untergrund und auch den Boden der Seen darstellt.
Am Feuer wurden diesmal tief greifende Gespräche über "das Leben, das
Universum und den ganzen Rest" geführt; Lorenz ließ sich von Jürgen und
mir erklären, wie eine Glühlampe wirklich funktioniert, ansonsten waren
er und Nora kaum noch voneinander zu trennen.

9. Tag
Einen Ruhetag hatte wir noch übrig - den verbrachten wir
auf dieser Insel - Alexandra, Carmen und Anne mit einer Umwanderung der
Insel - diesmal gar nicht so einfach, weil teilweise nur Wildpfade eine
Möglichkeit des Weiterkommens darstellten. Ich erstieg den Berg der
Insel, schätzungsweise 150-200 Meter hoch, dazu ging es über umgestürzte
Bäume, durch Dickicht und einige Felsblöcke steil bergauf. Da ich
nachmittags auch die Kanutour noch mitmachen wollte, kam ich ziemlich
außer Atem nach etwa einer halben Stunde oben an und genoss die Aussicht
über die Insel und die umliegenden Buchten des Lelang.
Auf dem Rückweg umrundete ich die Insel noch halb und bediente mich im
Restaurant Naturé mit Blaubeeren; die Preiselbeeren waren leider noch
nicht ganz reif. Unter den Kiefern, Fichten, Birken und anderen
Laubbäumen wächst hier fast überall blühendes Heidekraut abwechselnd mit
Blaubeeren, Flächen mit Moosen und Gräsern - einfach wunderschön
anzusehen.
Am Nachmittag packte Lorenz noch einmal die Gitarre aus und wir ruderten
mit drei Kanus über den See – wir hielten öfters an, spielten einige
Lieder und sangen dazu - Zuhörer waren die Berge und einige andere
Kanuten, die sich sicher über die ungewöhnliche Unterhaltung gefreut
haben. Die Durchfahrt zum nächsten See war hier jedoch nicht möglich -
in einer von Binsen und Schilf bewachsenen Bucht hielten wir inne, um
einfach die Natur um uns zu genießen. Auf dem Rückweg packten Carmen,
Lorenz und mich der Ehrgeiz - wir wollten sehen, was das zweiwöchige
Training gebracht hat: Wir legten alle Kraft in die Paddel und
durchpflügten mit unserem Kanadier auf dem letzen Kilometer das Wasser -
es machte Spaß, das Boot durchs Wasser schießen zu sehen, die eigene
Kraft zu spüren und das eine oder andere Kanu dabei zu überholen, ich
schätze wir erreichten etwa 12 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit -
alle Paddel griffen synchron und ohne zu spritzen ins Wasser und auch
das Steuern fiel mir mittlerweile leicht, bei jedem Zug machte das Boot
geradezu einen Satz nach vorne.
Den vorletzten Abend genossen wir gemeinsam an einem wohlig warmen
Lagerfeuer, einige blieben bis Sonnenaufgang wach - die Sonne geht spät
unter und früh wieder auf in diesen Breiten.
10.Tag
Am nächsten morgen konnten wir es ruhig angehen lassen,
noch einmal richtig ausschlafen, denn die Strecke zurück nach
Gustavsfors waren nur noch etwa 6km. Langsam und genussvoll paddelten
wir die letzen Kilometer und kosteten es aus bis zum letzen Moment.
Noch einmal schleusen stand an - die Schleusenwärterin nahm es
offensichtlich sehr genau - nicht ohne Grund, denn das Wasser schoss
nachher so schnell herein, dass die eine oder andere Welle ins Boot
schlug.
Für den letzen Abend hatten wir uns Lachs gewünscht, den Iris von einer
nahe gelegenen Räucherei holte - in der Zwischenzeit stellten wir die
Zelte auf und bereiteten das Essen und das letzte Lagerfeuer vor.
Verschiedene Salate, Stockbrot und köstlicher Lachs, einfach ein Genuss!
Zum Abschluss spielte Lorenz einige Lieder - "The Rose" ganz speziell
für Iris, die uns diese wunderschöne Reise ermöglicht hat.

Abreise
7Uhr22 wurden wir von Fritz aus den Federn geholt, ein
letztes gemeinsames Frühstück und eine warmherzige Verabschiedung von
Iris, Elke und Lotti. Wir hatten uns so aneinander gewöhnt, fühlten uns
schon wie eine große Familie - innige Umarmungen zum Abschied waren uns
ein Bedürfnis. Ein Nachtreffen haben wir uns alle gewünscht und ist für
Anfang September geplant, wenn Iris aus Schweden zurückkommt, da sie
noch ein wenig länger bleibt. Auf das Abschiedsfoto drängt sich auch
noch der schöne Husky der freundlichen Kanufahrerin, die uns gemeinsam
ablichtete.
Die ersten Kilometer im Auto überfällt mich der Schwermut - all die
Schönheit der Natur und die lieb gewonnenen Menschen zu verlassen,
Tränen der Rührung fließen.
Noch einige Stunden geht die Fahrt durch die traumhaften schwedischen
Wälder, immer wieder gibt der Wald den Blick auf Seen oder die typisch
schwedischen Örtchen frei.
Die Fähre wartete schon auf uns in Helsingborg, Dänemark war schnell
durchquert und nach der zweiten Überfahrt mit der Fähre nach Puttgarden
hatten wir die geplante Tagesetappe für die Rückreise nach etwa 10
Stunden erreicht.
Aufgrund von Unwetterwarnungen und starkem Regen wollte dann doch keiner
mehr Zelten - also verabschiedeten wir uns voneinander und fuhren bis
nach Hause durch - die Fahrer konnten sich abwechseln und die anderen
ein Nickerchen halten. Gegen Morgengrauen erreichten wir heimatliche
Gefilde, besonderer Dank noch einmal an die Fahrzeugbesitzer, die ihre
Autos für die Mitreise zur Verfügung gestellt haben!
Es war so ein wunderschöner Urlaub und genau so, wie ich
es mir gewünscht und vorgestellt hatte - das möchte ich auf jeden Fall
wiederholen und die Erinnerung an Schweden werde ich für immer in mein
Herz schließen.
Guido Fiala, 30.07.05 – mit freundlicher Unterstützung
von Nora
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