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Auf diesen Seiten veröffentlichen wir Reiseberichte von
unseren (Mit)-Paddlern.
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Abenteuer Kanada
Verfasser: Hanna
Rosentreter
Also....! Begonnen hat meine Reise am Frankfurter Flughafen. Von dort
ging es im siebenstündigen Flug an der Südspitze Grönlands vorbei nach
Toronto. (Man sah vom Flugzeug aus herrlich die im Meer treibenden
Eisschollen.) In Toronto hatten wir nur eine kurze Zwischenlandung, nach
der es gleich weiter ging nach Winnipeg. Dort hatten wir einen Tag
Gelegenheit, die Stadt zu besichtigen, die wie fast alle Städte Kanadas
ein Stützpunkt der "Hudson-Bay-Company" , einer
Handelsgesellschaft der ersten Siedlertage, war.
Abends um 22.00 Uhr bestiegen wir dann den großen Überlandbus
"Gray Goose" Richtung Norden. Am nächsten Morgen erreichten wir
Thompson, die letzte Stadt , bevor es in die nicht erschlossene unendliche
Seenplatte westlich der Hudson-Bay geht.
Dort wohnte unser Kanuvermieter, der uns an Hand eines Meßtischblattes
die genaue Kanustrecke mit allen Campmöglichkeiten, Stromschnellen,
Wasserfällen und Sumpfgebieten erklärte. Nachdem wir von ihm noch
Schreckschußmunition gegen Bären und Leuchtraketen für einen Notfall
("Ihr könnt nur hoffen, daß sie jemand sieht! " O-Ton
Kanuvermieter) erhalten hatten, die wohl mehr der Beruhigung dienten, fuhr
er uns 3Stunden Richtung Süden flußaufwärts zur Einsatzstelle unserer
Boote an einem großen See, dem Herb Lake. Dort starteten wir zu unserem
Abenteuer, das uns acht Tage durch die Wildnis kanadischer Wälder und
Seen führte auf einem Fluß, der meistens träge dahinfloß, an elf
Stromschnellen und Wasserfällen aber nicht zu befahren war. Dort mußten
wir die Boote und den ganzen Proviant, Zelte und Gepäck über Land
tragen, bis zu der Stelle, wo wir die Boote wieder einsetzen konnten.
Unterwegs begegneten wir nur einmal einem kanadischen Paar, das die
gleiche Strecke auf dem Grass River befuhr und uns einlud zum Abendessen,
sobald wir wieder zurück seien. Wir sahen Biberburgen und ihre Bewohner
am Ufer, Seeottern, die neugierig aus dem Wasser schauten und Weißkopfseead-
ler, die mit ihrer enormen Flügelspannweite und ihrem ruhigen Flug
beeindruckten. Ich war sehr froh, daß wir in der Wildnis "nur"
die Spuren der Bären an den Uferrändern und im Moos unserer Campstellen
zu sehen bekamen und nicht sie selbst. Ernährt haben wir uns Dank der
Bereicherung des Küchenzettels durch unsere Angler (Hechte und Barsche)
recht üppig. Nur in den letzten drei Tagen wurde es etwas eintönig,
weil das Brot ausgegangen war und wir uns mit Müsli begnügen mußten. Am
achten Tag erreichten wir nach einer abenteuerlichen Seeüberquerung mit
Kompaseinsatz unser Ziel, einen "Campground" an diesem See. Die
Zivilisation hatte uns wieder! Endlich mußte man morgens nicht mehr
pfeifend und singend (wegen der Bären) mit Spaten und Klopapier hinter
den nächsten dichten Busch verschwinden. Man genoß hier schon das
primitive Plumpsklo. Neben unserer Lagerstelle hatte ein indianisches Paar
ein indianisches Dorf mit 6 "Teepees" (indianische Zelte)
aufgebaut, in denen sie im Sommer wohnten und auch Gäste (ganze Gruppen)
beherbergten, denen sie die alte indianische Kultur und Religion näherbringen
möchten. Dieses Paar lud uns ein, bei ihnen zu Gast zu sein. An einem Tag
ging er mit unseren Anglern zum Angeln, während sie uns dann abends die
Fische zubereitete. Am nächsten Tag durften wir die indianischen Zelte
besichtigen. Da am Abend vorher sein Onkel gestorben war, hatten sie zwei
Medizinmänner zu Gast, mit denen sie eine heilige Zeremonie feiern
wollten, um den verstorben Onkel würdig ins Jenseits zu geleiten. Wir
durften dieser Zeremonie beiwohnen, was eine große Ehre für uns
bedeutete. Wir mußte alle von links nach rechts das Zelt betreten, zuerst
die Männer, dann die Frauen.
In der Mitte des Zeltes glühte in einer Pfanne heiße Holzkohle, in
die der Medizinmann nacheinander Tabak, Süßgras und Salbei warf. Ein
angenehm würziger Duft durchzog das Zelt, der zusammen mit den ruhig
gesprochenen "Gebeten" des Medizinmanns eine fast einschläfernde
Wirkung auf mich hatte. Anschließend lief er mit der Pfanne durch das
Zelt und wir durften uns alle mit dem Rauch der Kräuter reinigen, d.h.
mit dem Qualm alles Schlechte aus dem Körper vertreiben und Platz
schaffen für das Gute. Mich erinnerte das Ganze ein bißchen an die
Weihrauchzeremonie der Katholiken. Nachdem wir das Zelt nach rechts wieder
verlassen hatten, gab es Mittagessen, einen Eintopf aus kleingeschnittenem
Elchfleisch, Hackfleisch und vielen Gemüsen, auf offenem Feuer gebackenes
Fladenbrot, in flüssigem Schmalz gebackenes Fladenbrot und Bananenkuchen
zum Nachtisch. Diese Gastfreunldschaft war beeindruckend und deshalb fiel
uns auch der Abschied recht schwer. Aber wir wollten ja noch mehr von
Kanada zu sehen bekommen!
Wir fuhren mit drei Kleinbussen (inzwischen war unsere Gesellschaft auf
18 Personen angewachsen) Richtung Westen. Auf dieser 2100 km weiten
Strecke gab es nichts Aufregendens. Beeindruckt hat mich nur die Weite der
Waldlandschaft in Manitoba - man kam über Hunderte von Kilometern an
keiner menschlichen Siledlung vorbei- und die riesigen Felder in
Sasketchewan - sie sind 10- bis 15-mal so groß wie die Felder hier auf
der Schwäbischen Alb. Die erste große Stadt, die wir erreichten, war
Edmonton, die Hauptstadt des Staates Alberta. Sie erschlug mich jetzt fast
mit ihrer Größe und Hektik. Gigantisch mutete das angeblich größte
Einkaufszentrum der Welt an - für mich ein Horror! Ab hier begann unsere
Reise quer durch die Rocky Mountains durch mehrere Nationalparks, in denen
die Bären nicht mehr so scheu waren wie in der Wildnis. Hier sah man sie
direkt neben den Campingplätzen und Rastplätzen an den Highways. Wir
fuhren durch eine beeindruckende Hochgebirgslandschft mit riesigen
Gletschern, staubenden Wasserfällen und tiefeingeschnittenen Schluchten
bis nach Vancouver, von wo aus wir nach Vancouver Island übersetzten mit
der Fähre. Diese Insel mit ihrer absolut viktorianischen Hauptstadt
Viktoria ist ungeheuer reizvoll. Die Küsten am Pazifik muten teilweise
fast feenhaft an mit ihrem leichten Nebelschleier, der sie bedeckt. Im
Inselinneren findet man sich plötzlich in einem Regenwald wieder, der
Farne, riesige Rotzedern und viele Urwaldpflanzen der gemäßigten Zone
gedeihen läßt. Aber auch auf dieser Insel begegnet man überall dem
indianischen Erbe. Von Vancouver aus flogen wir dann zuerst mit einer
uralten Klapperkiste , in der man sein eigenes Wort nicht verstand, bis
Calgary, der ehemaligen Olympiastadt, und von dort dann abends Richtung
Heimat. Für mich beeindruckend war, während des Fluges zu sehen, daß
aus dem Fenster Richtung Norden die Nacht den Himmel schon voll
eingedunkelt hatte und aus dem Fenster Richtung Süden der Himmel noch
recht hell und am Horizont rötlich erschien, sich aber innerhalb der nächsten
halben Stunde auch verdunkelte. Dann flogen wir ca. drei Stunden durch
stockfinstere Nacht, und als ich erwachte nach diesen drei Stunden, war es
heller Tag und der Kapitän begrüßte uns mit "Good Morning".
Nach 9 1/2 Stunden Flugzeit von Calgary aus landeten wir sicher auf dem
Frankfurter Flughafen.
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